CARSTEN WEITZMANN

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Vita

Am 6. Mai 1961 in Erfurt geboren.
Ausbildung zum Restaurationssteinmetz, danach verschiedene Tätigkeiten.
1983-89  |  Angestellter Gebrauchsgraphiker.
1989  |  Freiberuflich als Maler und Graphiker tätig.
1993  |  Umzug nach Berlin.
1998  |  Stipendium des Kulturfonds Berlin.
2003  |  Rückkehr nach Erfurt. Lebt und arbeitet in Erfurt.
2007  |  Stipendium der Sparkassenstiftung Hessen/Thüringen.
2007  |  Lehrauftrag für Zeichnen an der Universität Erfurt.

Einzelausstellungen

  1. Wertwechsel, Galerie am Fischmarkt, Erfurt 10 Maler, 10 Tage, 10 Bilder, Kunsthaus Tacheles, Berlin 1994

  2. Kunsthaus Tacheles, Berlin

  3. Galerie Johannesstrasse, Erfurt Haus Dacheröden, Erfurt Kunsthaus Tacheles, Berlin

  4. KOKORO, Kunsthaus Tacheles, Berlin

  5. Galerie im Stadthaus, Jena

  6. Galerie EKTachrome, Erfurt

  7. Accrochage, Bilderhaus Krämerbrücke, Erfurt

  8. Galerie Rothamel, Erfurt Studiogalerie im Panoramamuseum, Bad Frankenhausen Fachhochschule Schmalkalden

  9. Kunstmarkt Dresden, Galerie Rothamel SommerNachtsRaum, Galerie Rothamel, Erfurt Engel, ACC-Galerie Weimar 13 x 40, Galerie Hubertus Wunschik, Düsseldorf

  10. Galerie Rothamel (mit Timm Kregel)

  11. Kunstmarkt Dresden, Galerie Rothamel malsomalso, Galerie Rothamel art forum berlin, Galerie Rothamel

  12. Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin Kunstverein, Jena Galerie Rothamel, Erfurt

  13. Quintessenz, Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin Mehr Kopf als Körper, Schloss Wendhausen / Braunschweig

  14. Art Frankfurt, Galerie Rothamel art forum berlin, Galerie Rothamel

  15. Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin Lookal 4, Amersford/NL

  16. Art Frankfurt, Galerie Rothamel Stadtmuseum Bergkamen (mit Martin Noll, Berit Myrebøe) Glanz und Punkte, Galerie Rothamel (mit Katrin Gaßmann, Berit Myrebøe) art forum berlin, Galerie Rothamel Quintessenz II, Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin Art Saxonia, Leipzig

  17. Waschhaus, Potsdam

  18. Neuer Realismus, Galerie Rothamel Reprorealismus, Galerie Naumann, Stuttgart Art Frankfurt, Galerie Rothamel Kunst am Bau, Galerie Rothamel Quintessenz III, Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin

  19. Galerie Rothamel, Erfurt Fachhochschule Schmalkalden

  20. SommerNachtsRaum, Galerie Rothamel, Erfurt Art Frankfurt, Galerie Rothamel Art cologne, Galerie Rothamel Quintessenz IV, Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin

  21. 2004 Galerie Steinrötter, Münster The Phatory LLC., New York (mit Steffen Mühle)

  22. Art Frankfurt, Galerie Rothamel Quintessenz V, Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin

  23. Galerie an der neuen Pinakotek, München „Der Untergang des Abendlandes“, Intergalerie Potsdam „Script 43“, Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin "Three ways out" Galerie Steinrötter (mit Kristian von Hornsleth/ Jaroslav Kourbanov) Galerie Ruetz, Augsburg „Helden“, Galerie Rothamel, Erfurt (mit Gerd Mackensen)

  24. "Sommersalon 2006 ", Galerie Steinrötter, Münster "Quintessenz VII", Galerie Jarmuschek & Partner,Berlin "40 Jahre Galerie Steinrötter", Münster

  25. Der Ost-Westliche Ikarus, Winckelmann-Gesellschaft, Stendal. Kunstmuseum Schloss Friedenstein, Gotha, Cubus Kunsthalle, Duisburg Kunstverein Wasserburg am Inn Preview Berlin, Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin Quintessenz VI, Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin

  26. Preussischer Landtag Berlin

  27. Galerie Steinrötter, "Der Aufstand der Dinge" Kunsthalle Willingshausen

  28. "Die bananenlose Republik oder am Anfang war das Kindsein"

  29. "Mit der Nase in die Zukunft", Galerie FB69, Münster "Finissage", Kunsthaus Erfurt

  30. Galerie Infern, Erfurt Kunsthaus Erfurt (mit Jakob Roepke)

  31. Kasseler Kunstverein (mit Thomas Nicolai)

  32. "Save the Sharks", Galerie FB69, Münster "Die ideale Ausstellung", ACC Galerie Weimar "Tempory art zone", Kunstraum Potsdam "Sittenbilder", Altes Innenministerium Erfurt

  33. Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin

  34. "Sommersalon 2007", Galerie Steinrötter, Münster "Grafik", Galerie an der neuen Pinakotek, München

Bernhard Balkenhol

DIE TOCHTER DES ROTKÄPPCHENS ODER WAS NOCH WEITER WAR UND WIRD

Auch wenn im Märchen der Brüder Grimm der Wolf mit den Wackersteinen im Bauch versenkt wurde, nach dem Rotkäppchen befreit war, scheint die Geschichte nicht zu Ende gewesen zu sein – jedenfalls nicht für Carsten Weitzmann.

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Denn in seinem umfangreichen aktuellen Bilderzyklus gibt es „Rotkäppchens Tochter“, die schwarze Wolfsohren über dem Haar trägt. Ist das ein Bekenntnis der selbstbewussten jungen Frau zur eigenen Herkunft oder ihr Programm?

Beides scheint zu stimmen, denn demonstrativ lässt sie im Männerklo die Hosen runter und stellt sich ans Pissoir („Stellungnahme“, 2008) oder sitzt als „Herrenreiterin“ (2008) auf dem Rücken des „jungen Philosophen“, der mit dem „etablierten Philosophen“, beide nackt, ein Pferd bildet.

Damit sind schon drei Figuren genannt, von insgesamt zwanzig. Carsten Weitzmann nennt sie sein „Personal“. Es sind seine Stellvertreterfiguren für eine Gesellschaft, wie sie Kunst, Kulturgeschichte und Medien generiert haben. Sie beschreiben die herrschenden ideologischen Systeme bild-wörtlich und schreiben sie fort. Aus der Erfahrung mit der „bananenlosen Republik“, so der Titel eines Bilderfrieses über seine Kindheit in der DDR, und dem System des Kapitalismus heute hat er sie entwickelt, jetzt führen sie ihn über seine Leinwände.

Das ist wörtlich gemeint, denn Carsten Weitzmanns Bilder-Bevölkerung ist nicht das Ergebnis einer systematischen Analyse oder eines Gesellschaftsentwurfes, sondern einer kritisch empathischen Beobachtung von Verhältnissen und Situationen an exemplarischen Einzelpersonen. So besonders diese auch sind, er nennt sie ein „Prinzip“. „Der Junge“ z.B. ist für ihn „offenes männliches, noch androgynes Prinzip“, „Die Krankenschwester“ „unberechenbares, weibliches Prinzip“ und „Der Hausmeister Gottes“ „göttliches, reinigendes Prinzip“. All diese Prinzipien bilden ein kommunizierendes System von Verhalten und Verhältnissen, das scheinbar keine Ethik, sondern nur Realitäten kennt. Carsten Weitzmann ist damit ein Bilder-Erzähler ohne dogmatische Absichten oder moralischen Zeigefinger, eher steht er verlaufen – aber mit beiden Beinen – im dichten Wald der Zustände und hält seinen feuchten Zeigefinger in die Luft, um zu spüren, woher der Wind weht.

„Ich könnte alle diese Figuren sein, weibliche wie männliche“ sagt er, „außer der Globalist“. Das ist ein Allerweltskopf ohne Rumpf – weil er vom Fernsehen in Großaufnahme erfunden wurde, der überall – im Weg – herumliegt oder mal als Luftballon („Reise“, 2009) davon fliegt, an seinem Seil eine der „Kontrollmäuse“, diesen Kindern von Micky Maus, deren Kopf nur aus einem Auge besteht. Er kann sie alle verstehen und ist doch Außenstehender, was ihm eine schmunzelnd böse Distanz gibt, sie in Szene zu setzen. Aber er wehrt sich eben nicht gegen diese Verhältnisse, greift nicht ein, selbst wenn beispielsweise zwei dieser Kontrollmäuse auf der Schaukel aus ihren Verpackungskartons heraus sich mit dem Baseballschläger die Augenköpfe einschlagen wollen und drohen ihr Gleichgewicht dabei zu verlieren („Autoritätsversuch“, 2009).

So banal, manchmal fast wie ein Bilderwitz, die Szenen sind, so doppelbödig sind sie. Was soll man dazu sagen, wenn „Die Krankenschwester“ „El Toro“, den maskierten starken Mann mit dem phallischen Kaktus unterm Arm („El Toro hat Erfolg bei den Frauen“, 2008), von hinten nimmt („Demonstration“, 2008) oder wenn „der Freund der Schwerkraft“ die Zunge des jungen Philosophen einfach festnagelt („Der Freund der Schwerkraft war hier“, 2008)? Doppelbödig irritiert ist auch dessen etablierter Kollege, der mit der Taschenlampe durchs Dunkel („Die Entdeckung, 2008“) geht, vor sich einen Lichtkegel, der an seinem Ende einen Kreis bildet, in dem drei schwarze Punkte die Blindheit markieren. Oder ist das eine Parodie auf das schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch? Denn dieses (ins Schwarzweiß übertragene) Blindenzeichen hält auch „Der Avantgardist“ als Leinwand vor seinen Kopf und „… gibt sich minimalistisch“ (2008).

Den Bezug auf (berühmte) Bilder der Kunstgeschichte findet man öfter. „El Toro“ z.B. „…will anders sein“ (2008) und posiert in den Kleidern von Tizians „Dame in Weiß“, und der Avantgardist grüßt, wie Courbet in seinem Selbstbildnis, die Kunstfreunde, in der Hand nicht den Hut, sondern besagtes Drei-Punkte-Bild („Guten Tag, Herr Avantgardist“, 2009). Und wenn auch Joseph Beuys seinen Filzmantel und Spazierstock nach getaner Arbeit an den Nagel hängt („Feierabend“, 2008), ist das kein Nachbild, sondern dann ist die Kunst tatsächlich im Alltag und beim Volk angekommen. Dann sind all diese Situationen und ihre Personen gleichberechtigte Ikonen eines kollektivierten Gedächtnisses – als Fortsetzungsserie. Und der Wolf – das hat das Märchen nicht erzählt, ist zwar in den Brunnen gefallen aber durchgetaucht bis auf die andere Seite der Erde – während das Rotkäppchen ihre Schwangerschaft ausgetragen hat.

Bernhard Balkenhol (2009)

SAMMLUNGEN (Auswahl)

  • Lindenau-Museum, Altenburg
  • Angermuseum, Erfurt
  • Europäisches Kulturzentrum, Erfurt
  • Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Erfurt
  • Bundesarbeitsgericht, Erfurt
  • Sammlung Deutsche Telekom, Frankfurt am Main
  • Kunstsammlungen Gera, Gera
  • Sammlung Lenze Forum, Hameln
  • Sammlung Jenoptik, Jena
  • Mühlhäuser Museen, Mühlhausen
  • Museum Wiesbaden

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