Projekte: Installationen

Sparda Bank Münster

Antje Vogel

Illustration für die Fassade während der Bauarbeiten

For "Herzenswünsche e.V."

 Sparda Bank Münster
 Sparda Bank Münster

Ballettschule Heidi Sievert

Herbert Hofer

Die Ballettschule Heidi Sievert hat in ihre neuen Räume die alten einfach mitgenommen. Und zwar in Form einer Raumfalte des Wiener Künstlers Herbert Hofer, der ein Foto der alten Räume auf ein Aluminium Blech gedruckt hat um es zu zerknittern und an die Wand zu hängen.

Herbert Hofer wurde 1962 in Wien geboren, ist Autodidakt und hat seit 1994 zahlreiche Ausstellungen in Österreich und im Ausland gehabt.

 Ballettschule Heidi Sievert
 Ballettschule Heidi Sievert
 Ballettschule Heidi Sievert

Westfälische Genossenschaftsakademie WGA

Gregor Hiltner

Neben der Skulptur "Golem" sind auch verschiedene Bilder des Künstlers Gregor Hiltner in der WGA zu sehen.

 Westfälische Genossenschaftsakademie WGA

CLUB GmbH

Eberhard Fiebig

Das "Tor der Ruhe" des Künstlers wurde vor der CLUB GmbH in Greven installiert.

"Tor der Ruhe"

1988  Holz
Höhe:  3,60 m
Breite: 3,90 m
Tiefe:   1,50 m

 CLUB GmbH
 CLUB GmbH

GAD GmbH

Eberhard Fiebig

"Liwan zu Münster"
4,5 m hohe Skulptur für die GAD Münster
2000

Liwan zu Münster
Liwan zu Münster
Liwan zu Münster

Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) / "Zwei Menschen"

Byen, Ung-Pil

Die "Zwei Menschen" des jungen Südkoreaner Künstlers Ung-Pil Byen (Biographie) stehen jetzt in der großen Eingangshalle des Oberverwaltungsgerichts Münster.

"Zwei Menschen"

Text von Prof. Dr. Ferdinand Ullrich  - Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen

"Was ist der Mensch?" - das ist die Kernfrage unserer Existenz. Immanuel Kant hat dieser Frage immerhin die erste Priorität in der Stufenfolge der Philosophie zugewiesen - vor der Ethik, vor der Religion. Denn die philosophische Anthropologie, die genau diese Frage stellt, enthält in sich all die weiteren Fragen nach dem, was der Mensch tun soll, was er hoffen darf, was er wissen kann. Schon der Titel in Ung-Pil Byens Wewerka-Arbeit provoziert diese Frage wie selbstverständlich: "Zwei Menschen". Er beschreibt zunächst, was zu sehen ist: zwei Menschen. Charakterisiert sind sie durch eine spezifische Körperlichkeit: der Leib, der Kopf, Arme und Beine, Hände und Füße. Diese körperlichen Details stehen in einem sinnvollen Verhältnis zueinander - es gibt keine kubistische Verunklärung. Die Erfahrung unserer eigenen Leibhaftigkeit wird durchaus bestätigt. Dies betrifft auch die Haltung der beiden Menschenfiguren: hockend, nachdenklich, sinnierend, in sich gekehrt und doch den Blick in eine unbestimmte Ferne schweifen lassend. Menschliche Seelenzustände bekommen ihren äußeren Ausdruck.

Unverkennbar liegt in den Figuren aber auch eine gegenläufige Tendenz zur Möglichkeit der Identifizierung des Menschlich-Körperlichen. Zunächst überschreiten sie das menschliche Körpermaß. Mit einer Höhe von fast 3 Metern liegt es jenseits jeder Erfahrung. Ihr körperliches Volumen ist mit einer ornamentalen Oberfläche belegt, die sich selbst mit höchster Imaginationskraft kaum als menschliche Haut lesen lässt.
 Auch sind die Proportionen der Körperteile bei näherer Betrachtung mit den Erfahrungen unseres wiedererkennenden Sehens nicht in Einklang zu bringen. Angesichts natürlicher Körperformen erscheinen sie deformiert.

Gewissermaßen sind sie in ihrem Zusammenspiel überdeutlich bis zur Abstraktion aufeinander bezogen. Schließlich sind die Figuren geschlechtslos. Vor allem aber: sie sind gesichtslos. Die Physiognomie als das entscheidende Identifikationsmerkmal des Menschen gilt uns als Ausweis seiner Individualität. Hierin unterscheidet der Einzelne sich sinnfällig von allen anderen Menschen. Diese Unterscheidung verweigert Byen vollends.
Die Verluste des Individuell-menschlichen in diesen Figuren sind unverkennbar. So orientiert sich ihr Körpermaß eben nicht an dem, was man "Lebensgröße" nennen könnte, sondern an der Funktion des Raumes, auf das es ausgerichtet ist.

Die dekorativ-ornamentale Oberfläche zeigt ein Muster, wie man es in  Raumausstatterläden findet. Byen hat es sorgfältig ausgewählt - er wollte die herbstliche Stimmung einfangen - und er hat es mit großer Mühe in kleinen Läppchen in einer all-over-Struktur auf das Körpervolumen geklebt. Die Köperteile behandelt er unterschiedslos. Hierarchien vermeidet er bewusst zugunsten einer körperlichen Einheitlichkeit und Ganzheit.

Auch die Proportionierung der Körperteile unterstützt die Tendenz zur Vereinheitlichung. Sie sind gedrungen und liegen eng am Körper, so dass sie mit ihm verschmelzen. Die Figure werden zur Skulptur, die formalen Gesetzen gehorcht und nicht den Gesetzen einer naturalistischen Kunstauffassung. Daraus ergibt sich ihre Geschlechts- und Gesichtslosigkeit. Der australische Künstler Ron Mueck (geb. 1958) hat auf der Biennale in Venedig 2001 eine hockende menschliche Figur gezeigt, die in den Eingangsbereich der Corderie eingezwängt war. Auch sie war gefangen in einer Situation der existenziellen Enge. Eigentlich ein Kind (Untitled (boy)), aber mit 4,90 m Höhe ein Monster, zieht es seine ästhetische Wirkung aus dem Naturalismus. Selbst die Körperbehaarung wurde täuschend echt auf den Körper gebracht. Der Widerspruch zwischen der Einlösung alltäglicher Erfahrung einerseits und dem Unterlaufen des Erfahrungswissens andererseits bezeichnet das Programm Muecks: das allgemein Menschliche am Beispiel eines individuell-menschlichen Daseins. Die Figur Muecks wäre ohne Mühe indentifizierbar als eine tatsächliche existierende Person, einschließlich ihrer Geschlechtlichkeit.
Dagegen zielt Byen auf einen archaischen Typus und damit auf die Abstrahierung alles Individuellen. Er sucht das, was Henry Moore in der Aztekischen Kunst wie auch in der etruskischen gefunden hat: die Vereinfachung des Figürlichen zugunsten des Typischen bei gleichzeitiger Beibehaltung der "Lebenswärme".

Während Moore die hierbei entdeckten "Fugenschnitte" in seinen Skulpturen als Zeichen von gleichzeitiger Einheit und Trennung kultiviert hat - bis in seine figürlichen Zeichnungen, die ihre Plastizität durch ein Liniennetz konstituieren - löscht Byen diese aus.
Er überklebt die Schnittlinien der Einzelelemente der Skulptur. Ohne eine solche Segmentierung wäre die Gesamtskulptur nicht transportabel und im Pavillon aufstellbar gewesen, sie ist aber für Byen kein Gestaltungselement. Er konstituiert die ganzheitliche Erscheinung, deren Allgemeingültigkeit wie auch Differenzierung er einerseits durch die Abkehr vom Naturalismus und andererseits durch plastische Gestaltung sowie Oberflächenbehandlung ermöglicht.

Vergleicht man Byens Ansatz mit dem der kompakten Figürlichkeit, wie sie sich im Werk des überaus populären kolumbianischen Malers und Bildhauers Fernando Botero findet, so ist auch hier der Unterschied deutlich. Boteros Figuren spekulieren auf die harmlose Wirkung der eindimensionalen Kompression, auf den putzigen Effekt. Dabei darf die verhaltene Geschlechtlichkeit nicht fehlen.

Von solcherart Oberflächlichkeit ist Byen weit entfernt. Sein Ansatz ist komplex. Er differenziert vielschichtig zwischen den Wirklichkeitsebenen und legt dabei dennoch großen Wert auf Anmutungsqualität. Die Schönheit seiner beiden Figuren ist in der äußeren Erscheinung angelegt, kommt doch von Innen und erschließt eine umfassende innere und äußere Wirklichkeit. War der Wewerka-Pavillon bei Monika Langs Schneewittchen zwar ein gläserner Sarg und doch ein Schatzkästlein mit einer wertvollen Preziose, so ist er bei Byen eher eine Einengung, ein Gefängnis. Rücken an Rücken sitzt das Figurenpaar und blickt in diametral entgegen gesetzte Richtungen über die Grenzen des Pavillons hinaus. Behausung und Schutz einerseits sind die Existenzbedingungen dieses Paares und andererseits ein transzendierendes Potential, das die Grenzen zu überschreiten trachtet.

Ung-Pil Byen äußert sich in verschiedenen künstlerischen Gattungen. Malerei spielt dabei eine wichtige Rolle. Er zeigt Bilder von Menschen und von Köpfen von Menschen, die aufgrund ihrer Malweise und Wirklichkeitsauffassung Porträts sein könnten, sich dieser Gattung aber verweigern. Wie in Byens Wewerka-Figuren das Muster der Oberfläche und die Abstrahierung der Körperdetails die Individualisierung verhindert, so ist es in seiner Malerei die Grimasse. Er malt verformte Gesichter - verformt nicht durch künstlerische Mittel, wie z. B. bei Francis Bacon durch malerische Mittel, sondern sie sind verformt auf der Ebene des Gegenständlichen selbst.

Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang Byens fotografische Werke. Er fotografiert Personen, die er vor einem fotografierten Porträt derselben Person positioniert. Dieses "Bild im Bild" ist identisch mit dem Bild.

Das, was eigentlich ausschließlich in zeitlicher Abfolge vorstellbar ist - man kann nur vor seinem eigenen Porträt fotografiert werden, wenn es zu einem früheren Zeitpunkt schon gemacht worden ist - geschieht hier mit Hilfe der aktuellen Manipulationstechniken simultan. So wird im Modus des naturalistischen Abbildes dieses selbst in Frage gestellt. Auch hier wird die Frage der Individualität und Subjektivität radikal gestellt, indem die Aura der Einmaligkeit zerstört wird.

Die künstlerische Strategie von Ung-Pil Byen setzt nicht auf Provokation. Vielmehr spielt er bewusst mit der Wiedererkennbarkeit und mit allgemeinem Erfahrungswissen, bietet es gewissermaßen als anmutungshaften Einstieg in seine höchst komplexe Bildwelt an. Dabei ist auch sein lustvoll-experimenteller Umgang mit den Formen wie auch der humorvolle Umgang mit dem menschlichen Verhalten offensichtlich. Auch seine kleinen, computergenerierten Animationsfilme geben ein Zeugnis davon.

So binden sich die Figuren des Wewerka-Pavillons in eine künstlerische Welt ein, in der das Kleine und das Große, das Nebensächliche und das Bedeutende zu einem Einklang finden. Zwei Menschen sind zugleich zwei gottgleiche Figurinen, und als solche doch ebenbildlich zum Menschen.

Was also ist der Mensch und welches Bild kann man sich von ihm machen?
Die Möglichkeit dieser Frage ist zugleich ihre Antwort. Die Fähigkeit, diese Frage stellen zu können, ist allein dem Menschen gegeben. Er allein kann sich ein Bild machen und kann sich vor allem ein Bild von sich selbst machen.

"Zwei Menschen"
"Zwei Menschen"
"Zwei Menschen"
"Zwei Menschen"
"Zwei Menschen"